Lahrer Anzeiger: Aus Angst wird Ehrfurcht

Lahrer Anzeiger (26.10.2012):

Bärenfoto von Manfred Krüger»Aus Angst wird Ehrfurcht«

Manfred Krüger pflegt eine ganz besondere Liebe. Der Oberschopfheimer, der drei bis sechs Monate im Jahr in Alaska und Kanada zu Hause ist, hat Bären in sein Herz geschlossen.
Friesenheim-Oberschopfheim. Der 110. Geburtstag des wohl kultigsten Kuscheltiers, dem Teddy, wird von vielen Leuten rund um den Globus auf vielfältige Art gefeiert. Teddybären sind nicht nur heißgeliebte Stofftiere, sondern auch begehrte Sammlerobjekte. Ob mit Brummstimme oder Knopf im Ohr, mit Filzpfoten oder Schnauze aus Plüsch, vom nostalgischen bis zum Teddy der Neuzeit – bei Manfred Krüger (56) aus Oberschopfheim sind über 150 dieser putzigen Exemplare versammelt.

Es gibt kein Zimmer, in dem nicht irgendwo ein, zwei oder mehr Teddys hervorschauen. Und das Besondere daran: Alle tragen einen Namen, mit dem Krüger alte Erinnerungen, nette Begebenheiten im Leben, verbindet. Paul, Klara, Ulrike, Emma und wie sie alle heißen – Namen eines guten Freundes, einer liebgewonnenen Tante, einer alten Dame, die ihm ein seltenes Stück vermachte, aber auch so manch verflossener Liebe, wie er dem Lahrer Anzeiger schmunzelnd verrät.

»Lebenselixier«

Seine Sammelleidenschaft begann 1986 nach seiner ersten Alaska-Tour. Dort begegnete er in freier Wildbahn keinen Kuscheltieren, sondern richtigen Bären. Seither bewundere er das »Lebenselixier der Bären«, wie er es nennt. Der Bär wurde zum Freund, dem er allerhöchsten Respekt zollt. Krüger beschreibt es so: »Aus Liebe und Angst entsteht Ehrfurcht.« Und die hat er. Gleichwohl gesteht Krüger, dass auf seinen unzähligen Touren – erst diesen Sommer war er wieder in Alaska im Katmai-Gebiet – auch so manche brenzlige Situation bestehen musste.

Eine der ersten ist ihm noch gut im Gedächtnis. Im Sommer 1987 befand er sich im Nordwesten Kanadas zwischen Lake Laberge und dem Yukon River mit seinem Freund Anton Springmann auf einer Kanu-Tour. Plötzlich stand 20 Meter vor ihnen ein riesiger Bär. Meister Petz suchte jedoch nicht das Weite, wie es Krüger später oft erlebt, sondern kam auf sie zu. Was nun? Händeklatschen? Krach mögen Bären nicht. Es half nichts. Also ab ins Boot und nichts wie weg. »Glücklicherweise hielt der Bär an diesem Tag nichts vom schwimmen«, lacht Krüger, der diese Geschichte damals auch aus der Sicht des Bären aufgeschrieben hat. Dort heißt es zur Flucht: »Jetzt nimmt er auch noch das falsche Paddel in die Hand. Aber nass mache ich mich wegen den Zweien nicht, da gehe ich lieber nach Blaubeeren suchen. Aber Spaß hat es mit den beiden Nordland-Greenhorns schon gemacht.«

Auch wenn die Begegnungen in der Wildnis gefährlich ist, ein Blick ins Allerheiligste, sein Tagebuch, verrät die Lockerheit, mit der Krüger seine Bären-Freundschaft sieht: »Der zweite Bär kam gleich zehn Minuten später. Auch er lief in unsere Richtung. Er kam zu nahe. Ich rief: ›Hey, Bär.‹ Der Bär fauchte, drehte sich um 90 Grad und rannte davon. Nach 30 Metern stoppte er, schaute kurz in unsere Richtung und galoppierte dann weiter.« Ob der Mensch oder der Bär weg rennt, Krüger ist sich sicher: »Der Bär weiß, wenn es jemand gut mit ihm meint. Wehe wenn nicht. Schon alleine der Gedanke ist strafbar.«

Krüger kann nicht nur über rund 300 Begegnungen mit Bären in freier Wildbahn auf seinen Touren und Expeditionen durch Alaska und Kanada berichten und ist nicht nur leidenschaftlicher Sammler von Teddybären und sonstigen Bären aus Plüsch, er interessiert sich auch für alles rund um das Wildtier des Jahres 2005. »Ich hätte nie gedacht, dass ich ein Tier so lieben könnte.«

Menschen hinter Gittern

So ist er beispielsweise auch in Besitz von wertvollen Bärenbüchern, wovon er zwei voller Stolz während des Gesprächs mit dem Lahrer Anzeiger präsentiert. Nebenbei erzählt er von seiner allerersten Begegnung mit einem Bären. Er erinnert sich sogar noch an seinen Namen: Es war der nordamerikanischer Schwarzbär »Baribal«, der ihn als Sechstklässler beim Schulausflug ins Tiergehege Waldkirch schon wegen seiner Ausstrahlung faszinierte. Davon kam er nie mehr los.Manfred Krüger und seine Bären - auch in Buchform

Passend dazu fällt ihm eine Erscheinung der Neuzeit ein. In der endlosen Landschaft von Brooks Camp im Katmai-Nationalpark in Alaska können Bärenfreunde heutzutage auf Bärenbesichtigungstour gehen. Den Besuchern droht keine Gefahr, die Bären sind aber auch nicht hinter Gitter. »Nein«, lacht der Bärenfreund, »die Bären haben freie Bahn, die Menschen sind seit diesem Jahr hinter Gittern.« Beobachtungsinseln geschützt durch Elektrozäune halten Mensch und Bär auf Distanz, ermöglichen jedoch, Bären beim Lachs fressen zuzuschauen.

»Erlebte Wildnis«

Wer mehr über Manfred Krügers Bären-Begegnungen und seine Tour durch das Katmai-Gebiet erfahren will, hat mehrere Termine zur Auswahl: Freitag, 17. Dezember, 20 Uhr, Sternenberghalle Friesenheim; Freitag, 28. Dezember, 20 Uhr, Festhalle Diersheim; Samstag, 29. Dezember, 20 Uhr, katholischer Pfarrsaal Haslach; Sonntag, 6. Januar, 16 und 20 Uhr, s’freche Hus Oberkirch; Sonntag, 13. Januar, 16 und 20 Uhr, Hotel »Graf-Adler«, Grießheim; Freitag, 18. Januar, 20 Uhr, Bürgersaal Seelbach. Der Eintritt kostet neun Euro. Schüler und Studenten zahlen 7 Euro

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