BZ: Reise in die Welt der Bären

Fr, 24. Juli 2015 – Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe und als Online-Artikel in der Badischen Zeitung. von: Babette Staiger

Manfred Krüger vor dem Sandsteinbären, den ein Steinmetz für ihn auf der Nova gefertigt hat. Das Tier verharrt und überlegt, was es tun soll. Eine Pose, die Krüger besonders liebt.

Manfred Krüger vor dem Sandsteinbären, den ein Steinmetz für ihn auf der Nova gefertigt hat. Das Tier verharrt und überlegt, was es tun soll. Eine Pose, die Krüger besonders liebt. Foto: Babette Staiger

Manfred Krüger schnürt den Rucksack für sein nächstes Abenteuer in Kanadas Wildnis.

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Ein wenig ähnelt das Familienhaus von Manfred Krüger einer Trapperhütte, die winterfest gemacht wird. Alles ist etwas leergeputzt, aufgeräumt, der Kühlschrank abgestellt. Am nächsten Tag geht der Flieger nach Whitehorse im äußersten Nordwesten Kanadas. Hart an der Grenze zu Alaska hat Krüger sein Traumland gefunden und kehrt immer wieder dorthin zurück. Dort warten schon seine Lebensgefährtin, sein Wander- und Kanugefährte und der Husky Rick. Die vor Jahren selbstgezimmerte Blockhütte ist bereits gerichtet.

Einen Tag vor dem Abflug hat Krüger Zeit, in Erinnerungen zu kramen und seine Freude auf ein Wiedersehen mit der Wildnis zu teilen. Sein derzeitiger Begleiter Gregor ist ehemaliger Kapitän zur See. Nun, seine Ausbildung wird er im Kanadierboot wohl kaum brauchen, doch er ist ein geborener Abenteurer wie Manfred Krüger selbst. Manch gefährlichen Moment haben die beiden in ihrer jahrzehntelangen Freundschaft durch- und überlebt. Unter anderem auch Begegnungen mit Grizzlys.

Einst wanderten sie entlang eines Bachbetts. Gregor hörte Schritte im Kies und wähnte Krüger hinter sich: „Na, da bist du ja endlich.“ Doch erst als er sich umsah, erkannte er, dass er gerade mit einem ausgewachsenen Grizzly gesprochen hatte – und zwar ziemlich laut. Das gefiel Herrn Petz weniger, dem unwirschen Brummen nach zu urteilen. Da half nur ein beherztes „shut up“, um dem braunen Riesen die Courage abzukaufen. Noch mal gut gegangen.

„Es gibt kein Rezept für die Begegnung mit Bären. Die Situation zu entschärfen, ist das einzige Ziel“, sagt Krüger dazu. Gewehre? Lieber nicht, auch wenn Einheimische ihnen bereits dazu geraten haben. Da müsse man ja erst mal richtig Schießen lernen. Und dann sei noch nicht sicher, ob der Bär damit schachmatt gesetzt sei. Schließlich brauche man da schon schwere Flinten mit einem großen Kaliber – wer da nicht an Old Shatterhands Bärentöter denkt. Der war sowieso fast genauso groß wie der legendäre Autor.

Dieses Jahr freut sich Manfred Krüger auf Bärenbegegnungen. Die Zeit ist gut gewählt, denn da, wo sie sein werden, folgen die Grizzlys Königslachszügen. Sie dürften deren Geruch nach dem Ablaichen vom Vorjahr noch in Erinnerung haben. Auch Bären müssen erst einmal Erfahrungen sammeln, um die guten Jagdgründe wiederzuentdecken. Die zum Teil verendeten Lachse düngen nämlich die Flussufer. Dann erst weiß Petz, wo im nächsten Jahr der Tisch gedeckt sein wird.

Ihre Übungsexpedition wird die Abenteurer durch den Kluane Nationalpark führen. An einem „Übungsfluss“ wird das Equipment getestet. Da darf Husky Rick mit. Das ganze wird nicht mehr als acht bis zehn Tage dauern. Danach beginnt das eigentliche Abenteuer. Ohne Hund und Lebensgefährtin. Zwei Männer auf Du und Du mit der Wildnis. Vier Wochen am Rossriver entlang.

Zunächst werden sie die Strecke „abschwimmen“, um sich sämtliche Stromschnellen und kritischen Windungen des Flusses einzuprägen. Dann geht es mit dem Kanadier los. Jetzt muss Krüger beim Packen an den Frost denken. Denn vor etwa vier bis fünf Jahren hatten sie schon einmal mit Schnee im August zu kämpfen. Eine absurde Vorstellung im brütend heißen Oberschopfheim.