BZ: „Abhauen ist für uns nicht in Frage gekommen“

BZ-INTERVIEW mit M. Krüger, der in Yukon ein Feuer löschte.

Di, 21. Dezember 2010 – Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe und im Online-Angebot der Badischen Zeitung.

von: Bastian Bernhardt

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Die Nadelwälder im Nordwesten Kanadas sind jedes Jahr im Sommer von großen Bränden bedroht. Manfred Krüger (54) aus Oberschopfheim besitzt dort gemeinsam mit einem Freund ein Blockhaus. Bei einer seiner Reisen dorthin, hat er einen Waldbrand entdeckt – und geholfen, das Feuer zu löschen. Wie ihm das gelungen ist, hat BZ-Redakteur Bastian Henning von ihm erfahren.

BZ: Herr Krüger, wie haben Sie das Feuer entdeckt?
Manfred Krüger: Mein Freund und ich, wir wollten im Wald Holz machen. Als wir etwa zehn Kilometer in den Wald hineingefahren waren, haben wir es plötzlich rauchen gesehen. Als wir näher gekommen sind, war klar: Da brennt’s!

BZ: Was war Ihr erster Gedanke: Abhauen oder löschen?
Krüger: Abhauen wäre für uns beide nicht in Frage gekommen. Wir wussten sofort, dass wir versuchen wollen, das noch relativ kleine Feuer zu löschen.

BZ: Wie klein war es denn, als Sie es entdeckt haben?
Krüger: Ich schätze, dass so etwa 100 Quadratmeter in Flammen standen.

BZ: Wie sind Sie vorgegangen?
Krüger: Zunächst haben wir uns getrennt: Mein Freund ist mit dem Wagen in den nächsten Ort zehn Kilometer weiter gefahren um Hilfe zu holen, ich bin dageblieben, um das Feuer einzudämmen. Dazu hatte ich im Wesentlichen meine Axt, mit der ich an den Rändern des Feuers Büsche und Sträucher entfernt habe, damit die Flammen keine Nahrung bekommen und sich nicht weiter ausbreiten.

BZ: Ist Ihnen das gelungen?
Krüger: Das ging schon recht gut so. Allerdings habe ich kurz einen Schreck bekommen, als ich ein Löschflugzeug kommen gesehen habe. Da habe ich schon gedacht, dass ich die ganze Wasserladung gleich abbekommen würde. Das Flugzeug hat dann aber doch noch abgedreht.

BZ: Was war mit Ihrem Freund?
Krüger: Der kam nach einer halben Stunde mit zwei Helfern im Auto und einem Wassertank auf der Ladefläche wieder. Damit haben wir das Meiste löschen können. Später kamen dann noch Löschfahrzeuge der umliegenden Gemeinden dazu.

BZ: Hat man Ihr Engagement gewürdigt?
Krüger: Einige Zeit später habe ich einen Brief und eine Urkunde der Regionalverwaltung bekommen. Darin wird uns für unsere Hilfe gedankt.

Info: Die Erlebnisse seiner jüngsten Reise zeigt Manfred Krüger am Samstag, 8. Januar, von 20 Uhr an in der Friesenheimer Sternenberghalle im Diavortrag. Eintritt 10 Euro an der Abendkasse. Weiterer Termin: 5. Januar, 20 Uhr, Freie Waldorfschule Offenburg